In die Ostsee münden mehrere Hundert Flüsse aus einem riesigen Einzugsgebiet, das weite Teile Nord- und Osteuropas umfasst. Die wasserreichsten Zuflüsse sind die Newa, gefolgt von Weichsel, Oder, Düna, Memel sowie den nordischen Strömen Kemijoki und Torne älv. Dieser hohe Süßwasserzufluss macht die Ostsee zum größten Brackwassermeer der Erde.
| Eckdaten | Überblick |
|---|---|
| Wasserreichster Zufluss | Newa (Russland), Abfluss des Ladogasees |
| Bedeutende Ströme | Weichsel, Oder, Düna, Memel |
| Nordische Zuflüsse | Kemijoki, Torne älv, Lule älv |
| Einzugsgebiet | Sehr groß, ein Vielfaches der Meeresfläche |
| Beteiligte Staaten | Anrainer plus weitere Binnenländer im Hinterland |
| Folge des Süßwasserzuflusses | Niedriger Salzgehalt, Brackwassermeer |
| Hauptrichtung des Wasseraustauschs | Über Kattegat und Skagerrak zur Nordsee |
Welche Flüsse münden in die Ostsee?
In die Ostsee münden mehrere Hundert Flüsse, von kleinen Küstenbächen bis zu mächtigen Strömen, die ganze Landschaften entwässern. Ihr Einzugsgebiet reicht weit über die unmittelbaren Küstenländer hinaus und schließt große Binnenregionen ein, deren Niederschläge letztlich der Ostsee zufließen. Zu den größten Flüssen, die in die Ostsee münden, zählen die Oder (Deutschland und Polen), die Weichsel (Polen), die Memel (Litauen), die Düna (Lettland), der Torne älv (Schweden/Finnland), die Newa (Russland) und der Kemijoki (Finnland).
Die Verteilung dieser Zuflüsse ist sehr ungleichmäßig. Der überwiegende Teil des Süßwassers stammt aus dem Norden und Osten, wo lange, schneereiche Winter und ausgedehnte Seenlandschaften für reichlich Abfluss sorgen. Aus Skandinavien speisen zahlreiche Flüsse den Bottnischen Meerbusen, im Osten sammelt sich das Wasser ganzer Stromsysteme im Finnischen Meerbusen. An der südlichen Küste prägen vor allem Oder und Weichsel das Bild. Auffällig ist dagegen, dass es in Dänemark keine Flüsse in vergleichbarer Größenordnung gibt, weil das flache, kleinteilige Land kaum große Einzugsgebiete bündelt. Wer die geographischen Zusammenhänge vertiefen möchte, findet einen Überblick über die Anrainerstaaten der Ostsee und ihre jeweiligen Flusslandschaften.
Welche sind die größten Zuflüsse der Ostsee?
Der wasserreichste Zufluss der Ostsee ist die Newa, die das Wasser des Ladogasees und eines weiten nordwestrussischen Einzugsgebiets in den Finnischen Meerbusen leitet. Obwohl sie vergleichsweise kurz ist, übertrifft sie in der Wasserführung alle anderen Zuströme deutlich und versorgt die Region rund um Sankt Petersburg. Direkt an ihrer Mündung entstand eine der bedeutendsten Hafenstädte des Ostseeraums; mehr dazu im Porträt der Newa als wasserreichster Ostsee-Zufluss.
Nach Wassermenge und Bedeutung folgen die beiden großen südlichen Ströme. Die Weichsel als längster Fluss Polens entwässert ein riesiges Gebiet im Herzen Mitteleuropas und mündet bei Danzig in die Ostsee. Etwas weiter westlich erreicht die Oder an der deutsch-polnischen Grenze über das Stettiner Haff die See. Beide Flüsse prägen die südliche Küste und ihr Hinterland bis heute. Hinzu kommen die Düna (Daugava), die durch Lettland fließt und bei Riga mündet, sowie die Memel (Nemunas), die das Kurische Haff speist und das litauische Tiefland entwässert.
Im Norden sorgen vor allem die langen Wildflüsse Skandinaviens und Finnlands für gewaltige Süßwassermengen. Der Kemijoki ist der längste Fluss Finnlands und mündet im Norden des Bottnischen Meerbusens, während der Torne älv über weite Strecken die schwedisch-finnische Grenze bildet. Gemeinsam mit weiteren nordischen Strömen wie dem Lule älv tragen sie einen erheblichen Anteil am gesamten Süßwasserzufluss bei und beeinflussen den besonders niedrigen Salzgehalt im hohen Norden der Ostsee.
Warum sind die Zuflüsse für die Ostsee so wichtig?
Die Zuflüsse sind die Lebensadern der Ostsee, denn ihr Süßwasser entscheidet über den Charakter des gesamten Meeres. Weil der ständige Frischwassereintrag aus den Flüssen den Zustrom salzigen Nordseewassers deutlich übersteigt und der Austausch mit dem Atlantik nur über die schmalen dänischen Belte und Sunde erfolgt, bleibt der Salzgehalt niedrig. So ist die Ostsee zum größten Brackwassermeer der Erde geworden, einem einzigartigen Übergangslebensraum zwischen Süß- und Salzwasser. Der Salzgehalt nimmt von den Belten im Westen bis in den Bottnischen und Finnischen Meerbusen immer weiter ab, wo das Wasser fast schon süß ist.
Dieses empfindliche Gleichgewicht prägt die gesamte Natur der Ostsee. Nur Arten, die mit den schwankenden Salzgehalten zurechtkommen, können hier dauerhaft leben, weshalb die Artenvielfalt geringer ist als in echten Meeren, einzelne Bestände dafür aber sehr groß sein können. Die Flüsse transportieren außerdem Nährstoffe und Sedimente ins Meer und schaffen mit ihren Mündungen, Haffen und Lagunen besonders produktive Lebensräume für Fische und Vögel. Zugleich erklärt diese geringe Wassererneuerung, warum die Ostsee empfindlich auf Einträge aus ihrem riesigen Einzugsgebiet reagiert: Was an den Oberläufen weit im Binnenland geschieht, erreicht über kurz oder lang die Küste.
Die Größe dieses Einzugsgebiets ist beachtlich. Es umfasst ein Vielfaches der eigentlichen Meeresfläche und reicht tief in den Kontinent hinein, sodass nicht nur die Küstenländer, sondern auch zahlreiche Binnenregionen Teil des Ostsee-Systems sind. Damit verbindet kaum etwas die Anrainer so unmittelbar wie das Wasser, das von den Bergen, Wäldern und Ebenen Nord- und Osteuropas zusammenfließt.
Welche Rolle spielten die Zuflüsse für die Schifffahrt?
Schon früh waren die großen Ostsee-Zuflüsse wichtige Verkehrswege, die das Binnenland mit dem Meer und damit mit dem Fernhandel verbanden. Sowohl die Weichsel als auch die Oder wurden bereits in vorgeschichtlicher Zeit befahren; die Wikinger nutzten sie mit ihren wendigen Booten als Routen tief in den Kontinent. Flüsse waren über Jahrhunderte die schnellsten und günstigsten Transportwege überhaupt, lange bevor ausgebaute Straßen existierten.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, als die Gebiete des heutigen Polen und Litauen zu den Kornkammern Europas zählten, gewann die Verschiffung landwirtschaftlicher Erzeugnisse große Bedeutung. Auf der Weichsel gelangte Getreide flussabwärts nach Danzig und von dort über die Ostsee nach Westeuropa. Aus dieser blühenden Handelsepoche sind in den Städten entlang der Flüsse noch viele prächtige Renaissance- und Barockspeicher erhalten, die heute zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Region gehören. So spiegeln die Mündungsgebiete und Flussstädte bis heute den Reichtum wider, den der Wasserweg ihnen einst brachte.
Welcher ist der wasserreichste Zufluss der Ostsee?
Warum ist die Ostsee ein Brackwassermeer?
Gibt es in Dänemark große Ostsee-Zuflüsse?
Wie groß ist das Einzugsgebiet der Ostsee?
Wer die Flusslandschaften und ihre Mündungsgebiete selbst erleben möchte, findet rund um die großen Ströme zahlreiche lohnende Reiseziele. Einen vertieften Einblick in die ökologischen Zusammenhänge gibt die Übersicht zur Natur der Ostsee, während die Porträts von Weichsel und Oder die Geschichte der beiden bedeutendsten südlichen Zuflüsse erzählen.