Die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde – ihr salzarmes Wasser lässt nur eine vergleichsweise geringe Zahl an Arten zu, macht die Tier- und Pflanzenwelt aber zu etwas Einzigartigem. Typisch sind Fische wie Dorsch, Hering und Sprotte, Meeressäuger wie Kegelrobben, Seehunde und Schweinswale sowie artenreiche Bodden- und Küstenlebensräume mit seltenen Vögeln.
| Merkmal | Flora und Fauna der Ostsee |
|---|---|
| Meerestyp | Brackwasser (Mischung aus Süß- und Salzwasser) – weniger Arten als in der Nordsee |
| Typische Fische | Dorsch, Hering, Sprotte, dazu Flunder, Hornhecht und Lachs |
| Meeressäuger | Kegelrobbe, Seehund, Schweinswal |
| Wichtige Lebensräume | Bodden, Haffe, Dünen, Kreidefelsen, Salzwiesen, Küstenwälder |
| Charaktervögel | Kraniche, Seeadler, Kormorane, Möwen, Haubentaucher |
| Schutzgebiete | Nationalparks (z. B. Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft), Naturschutzgebiete |
| Größtes Umweltproblem | Überdüngung (Nährstoffeinträge) und Sauerstoffmangel am Meeresgrund |
Welche Tiere leben in der Ostsee?
In der Ostsee leben vor allem Fische, die mit salzarmem Wasser zurechtkommen – allen voran Dorsch, Hering und Sprotte, die seit jeher das Rückgrat der Fischerei bilden. Hinzu kommen Flunder, Scholle, Hornhecht, Aal und der wandernde Lachs, der zum Laichen in die Zuflüsse aufsteigt. Weil sich der Salzgehalt von Westen nach Osten immer weiter verringert, leben in der westlichen Ostsee noch deutlich mehr Meeresarten als im fast süßen Bottnischen und Finnischen Meerbusen, wo Süßwasserfische wie Barsch und Hecht überwiegen.
Zu den bekanntesten Bewohnern zählen die Meeressäuger. Die Kegelrobbe ist die größte Robbenart der Ostsee und nach jahrzehntelangem Rückgang wieder häufiger zu sehen, etwa auf abgelegenen Sandbänken und Schären. Der kleinere Seehund teilt sich mit ihr die flachen Küstenabschnitte. Der einzige heimische Wal ist der scheue Schweinswal, ein kleiner Zahnwal, der vor allem in der westlichen Ostsee und rund um die dänischen Inseln vorkommt und stark gefährdet ist.
Über und neben dem Wasser tummelt sich eine reiche Vogelwelt. Entlang der flachen Küsten und der Bodden brüten Möwen, Seeschwalben, Haubentaucher, Rohrammern und zahlreiche Watvögel. Spektakulär ist der Zug der Grauen Kraniche, die im Frühjahr und Herbst zu Tausenden an der vorpommerschen Küste – etwa bei Zingst und auf Ummanz – Rast machen. Kormorankolonien besiedeln einige Inseln, und mit etwas Glück lässt sich der majestätische Seeadler beobachten. An Land leben Edelhirsch, Reh, Wildschwein und Dachs; in Schweden und Finnland prägt zudem der bis zu einer halben Tonne schwere Elch die Wälder bis dicht an die Küste.
Welche Pflanzen und Lebensräume gibt es?
Die Pflanzenwelt der Ostsee ist ein Mosaik aus sehr unterschiedlichen Lebensräumen, das von kargen Trockenstandorten bis zu nassen Feuchtgebieten reicht. Unter Wasser wachsen Seegraswiesen und Blasentang, die jungen Fischen und Kleintieren Schutz bieten – allerdings nimmt ihr Artenreichtum mit sinkendem Salzgehalt nach Osten hin ab, sodass im salzarmen Wasser nur wenige Großalgen überleben.
An Land prägen zwei gegensätzliche Naturräume die Küste. Auf nährstoffarmen, sandigen oder felsigen Böden gedeiht eine genügsame Vegetation: Sie krallt sich an die Kreidefelsen etwa auf Rügen, entwickelt sich auf Dünen zu Dünenheide oder bildet als Trocken- und Magerrasen einen niedrigen Teppich aus Gräsern, Kräutern und Blumen wie wildem Thymian, Strohblumen und Silbergras. Dem gegenüber stehen die weitläufigen Bodden und Haffe – flache, vom Meer halb abgeschnürte Küstengewässer mit Schilfgürteln und Salzwiesen. Diese Feuchtgebiete sind die wichtigsten Lebensräume der Ostseeküste und bieten zahlreichen, teils sehr seltenen Vogelarten ein ideales Rückzugs- und Brutgebiet.
Dazu kommen ausgedehnte Küstenwälder. In Mecklenburg-Vorpommern erstrecken sich Buchen- und Mischwälder etwa in der Rostocker Heide, auf dem Darß, im Nationalpark Jasmund und in der Granitz. Eine landschaftliche Besonderheit sind die vielen Alleen, die im 19. Jahrhundert gepflanzt wurden und sich aus Linden, Buchen, Kastanien, Pappeln und Ulmen über die oft kopfsteingepflasterten Landstraßen spannen. Im skandinavischen Teil der Ostsee dominieren dagegen ausgedehnte Nadelwälder, die das Land selbst im Winter grün halten, während Dänemark stärker von Laubwäldern mit Buchen, Eichen und Birken geprägt ist. Wer tiefer in diese Landschaften eintauchen möchte, findet im Überblick zur Natur der Ostsee die gesamte Bandbreite vom Strand bis zum Binnenland.
Warum ist die Artenwelt der Ostsee besonders?
Das Besondere an der Artenwelt der Ostsee ist ihr Brackwasser – eine Mischung aus salzigem Meerwasser, das durch die dänischen Meerengen einströmt, und großen Mengen Süßwasser aus den vielen Zuflüssen. Dadurch ist die Ostsee das größte Brackwassermeer der Erde. Für viele Tiere und Pflanzen ist dieses halbsalzige Wasser ein Extremlebensraum: Echte Meeresarten ertragen es schlecht, reine Süßwasserarten ebenso. Deshalb leben in der Ostsee insgesamt deutlich weniger Arten als im benachbarten Salzmeer Nordsee.
Geologisch ist die Ostsee zudem sehr jung – sie entstand erst nach der letzten Eiszeit, als das schmelzende Inlandeis das Becken füllte. Die Lebewelt hatte daher nur wenige tausend Jahre Zeit, sich anzusiedeln. Wer sich für diese Vorgeschichte interessiert, findet im Beitrag zur Entstehung der Ostsee die erdgeschichtlichen Hintergründe. Viele Arten leben hier am äußersten Rand dessen, was sie vertragen, und sind oft kleiner und langsamer wachsend als ihre Verwandten im Atlantik – ein Muschel- oder Dorschbestand der östlichen Ostsee bleibt entsprechend zierlicher.
Gerade diese Anpassung macht die Ostsee aber auch wertvoll und empfindlich zugleich. Weil die Nahrungsnetze vergleichsweise kurz sind, wirken sich Störungen – etwa der Rückgang einer Schlüsselart – rasch auf das ganze System aus. Wie eng Klima, Wassertemperatur und Lebewelt zusammenhängen, zeigt der Blick auf das Klima und Wetter der Ostsee: Milde Winter, geringe Eisbildung und sommerliche Erwärmung verschieben Laichzeiten und Verbreitungsgrenzen vieler Arten spürbar.
Wie steht es um den Naturschutz?
Der Naturschutz an der Ostsee steht vor zwei großen Aufgaben: bedrohte Arten zu sichern und das Meer vor Überlastung zu schützen. Das wohl gravierendste Umweltproblem ist die Überdüngung. Über die Flüsse gelangen Nährstoffe aus Landwirtschaft und Abwässern in das fast abgeschlossene Meer, das sich nur langsam mit der Nordsee austauscht. Die Folge sind übermäßiges Algenwachstum und, wenn die Algen absterben und am Grund verrotten, sauerstoffarme „Todeszonen“, in denen kaum noch Leben möglich ist.
Gleichzeitig setzen Fischerei und früher auch starke Schadstoffbelastungen den Beständen zu. Der Dorsch der östlichen Ostsee ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, sodass strenge Fangbeschränkungen gelten – Hintergründe dazu liefert die Seite über den Ostsee-Dorsch und seine Bestände. Auf der positiven Seite haben sich Kegelrobben und Seeadler nach Schutzmaßnahmen wieder erholt, und Schweinswale stehen unter besonderem Schutz.
Um Lebensräume dauerhaft zu sichern, ist die Küste von einem Netz aus Schutzgebieten überzogen. Nationalparks wie Jasmund mit seinen Kreidefelsen oder die Vorpommersche Boddenlandschaft bewahren ganze Landschaften, während zahlreiche Naturschutzgebiete einzelne Bodden, Inseln und Vogelbrutplätze sichern. Viele dieser Gebiete liegen auf den Inseln der Ostsee, wo abgelegene Küsten und Schären besonders störungsarme Rückzugsräume bieten. So bleibt die Ostsee trotz ihrer Empfindlichkeit ein lebendiges Naturparadies.
Warum gibt es in der Ostsee weniger Arten als in der Nordsee?
Welche Fische sind typisch für die Ostsee?
Kann man an der Ostsee Robben und Wale sehen?
Was bedeutet Bodden für die Tierwelt?
Wer die Tier- und Pflanzenwelt selbst erleben möchte, findet die schönsten Reviere oft auf den Inseln und an den Boddenküsten: Der Überblick über die Insel Rügen mit ihren Kreidefelsen und Nationalparks ist ein idealer Ausgangspunkt für naturkundliche Entdeckungen rund um die Natur der Ostsee.