Urlaub finden
Home › Natur der Ostsee
Natur der Ostsee

Natur der Ostsee

Die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde – ein junges, fast vollständig von Land umschlossenes Binnenmeer mit einem ungewöhnlich niedrigen Salzgehalt. Dieser Sonderweg zwischen Süß- und Salzwasser macht sie zum Lebensraum für eine eigenwillige Mischung aus Meeres-, Brackwasser- und Süßwasserarten und zugleich zu einem der empfindlichsten Ökosysteme Europas.

Eckdaten zur Natur der OstseeWert
MeerestypBrackwassermeer (größtes der Erde)
Flächerund 413.000 km²
Durchschnittliche Tiefeetwa 50 m
Größte TiefeLandsorttief, rund 459 m
Salzgehaltnach Westen rund 1,6 %, im Osten unter 0,5 % (Nordsee ≈ 3,5 %)
Anrainerstaaten9 Länder rund um das Meer
Wasseraustauschgering – über flache Schwellen zur Nordsee

Was macht die Ostsee als Brackwassermeer besonders?

Die Ostsee ist deshalb so besonders, weil ihr Wasser weder richtig salzig noch richtig süß ist – sie ist das größte Brackwassermeer der Welt. Ihren niedrigen Salzgehalt verdankt sie zwei Umständen: Zahllose Flüsse spülen ständig Süßwasser herein, während der Nachschub an salzigem Meerwasser aus der Nordsee nur tröpfchenweise gelingt. Die Verbindungswege zwischen beiden Meeren – allen voran die flache Darßer Schwelle – wirken wie ein Riegel, über den kaum salzreiches Wasser nach Osten gelangt.

So entsteht ein deutliches West-Ost-Gefälle: In den westlichen Becken liegt der Salzgehalt bei etwa 1,6 Prozent, im östlichen und nördlichen Teil sinkt er auf weniger als 0,5 Prozent ab. Zum Vergleich: Die offene Nordsee bringt es auf rund 3,5 Prozent. Geologisch ist die Ostsee zudem ein sehr junges Meer, das erst nach der letzten Eiszeit seine heutige Gestalt fand – mehr dazu auf der Seite zur Entstehung der Ostsee. Mit durchschnittlich nur etwa 50 Metern ist sie überdies flach; ihre tiefste Stelle, das Landsorttief westlich von Stockholm, reicht hingegen bis rund 459 Meter hinab. In den tiefen Becken wie dem Gotlandtief staut sich das schwerere Salzwasser – und genau dort entstehen die ökologischen Probleme des Meeres.

Welche Wassermengen die Ostsee überhaupt erst füllen, zeigt der Blick auf ihre Zuflüsse: Mächtige Ströme wie Newa, Weichsel, Oder und Düna tragen riesige Mengen Süßwasser ein und prägen so den Brackwasser-Charakter des gesamten Meeres. Weil das Einzugsgebiet der Ostsee um ein Vielfaches größer ist als das Meer selbst, sammelt sich in ihr das Wasser eines weiten Teils Nord- und Osteuropas. Das hat Folgen für die Natur: Alles, was die Flüsse mitführen – Sand und Schwebstoffe ebenso wie Nährstoffe –, landet am Ende in einem Becken, aus dem kaum etwas wieder herausgespült wird. Diese Mischung aus geringer Tiefe, schwachem Wasseraustausch und reichlich Süßwasserzufuhr ist der Schlüssel, um die gesamte Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee zu verstehen.

Welche Tiere und Pflanzen leben in der Ostsee?

In der Ostsee leben Tiere und Pflanzen, die mit dem schwankenden Salzgehalt zurechtkommen – eine eigentümliche Gemeinschaft aus echten Meeresbewohnern, Brackwasserarten und sogar Süßwasserfischen. Für viele marine Arten ist die Ostsee ein Grenzland: Je weiter man nach Osten kommt, desto weniger Salz vertragen ihre Körper, und die Artenvielfalt nimmt spürbar ab. Manche Tiere bleiben deshalb hier deutlich kleiner als in der Nordsee, etwa die Miesmuschel.

Zu den charakteristischen Fischen zählen Hering und Sprotte, die in großen Schwärmen ziehen, dazu Flunder, Scholle und Aal. Eine Schlüsselrolle spielt der Dorsch, der als Raubfisch das Nahrungsnetz mitprägt und wirtschaftlich wie ökologisch eng mit dem Zustand des Meeres verknüpft ist – seine Bestände schwanken stark mit Sauerstoff und Salzgehalt der Tiefenbecken. Mehr über diesen Charakterfisch und seine Bedeutung erfahren Sie auf der Seite zu den Ostsee-Dorschen.

Auch größere Tiere kehren zurück: Kegelrobben und Seehunde sind an manchen Küsten und auf Sandbänken wieder regelmäßig zu sehen, der Schweinswal als einziger heimischer Wal zieht durch die westlichen Gewässer. Dass solche Arten überhaupt wieder Fuß fassen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich der Zustand des Meeres an vielen Stellen gebessert hat – auch wenn ihre Bestände nach wie vor empfindlich auf Störungen reagieren. Die Küsten selbst sind Drehscheiben für den Vogelzug – Kraniche, Gänse und unzählige Wasservögel rasten in den flachen Bodden und Lagunen. Unter Wasser bilden Blasentang, Seegraswiesen und Armleuchteralgen wichtige Kinderstuben für Jungfische. Die vollständige Bandbreite an Arten und Lebensräumen stellt die Seite zur Flora und Fauna der Ostsee vor.

Wie steht es um die Umwelt der Ostsee?

Der Umwelt der Ostsee geht es heute besser als vor einigen Jahrzehnten, doch sie bleibt ein hochempfindliches Meer. Noch in den 1970er Jahren galt sie als eines der am stärksten belasteten Meere überhaupt. Um den drohenden Kollaps abzuwenden, schlossen sich die Anrainerstaaten 1974 über alle politischen Grenzen des Kalten Krieges hinweg in der Helsinki-Kommission zusammen und vereinbarten gemeinsame Schutzregeln. Seither leiten Städte, Industrieanlagen und Raffinerien ihre Abwässer nicht mehr ungeklärt ins Meer, und die Wasserqualität hat sich an vielen Küstenabschnitten so weit erholt, dass das Wasser zumindest Badequalität erreicht.

Trotzdem ist längst nicht alles im Reinen. Das Grundproblem liegt im Tiefenrelief und im trägen Wasseraustausch: Weil die tiefen Becken über die flachen Schwellen kaum frisches, sauerstoffreiches Nordseewasser bekommen, sammelt sich in den Tiefen sauerstoffarmes Wasser. In ausgedehnten Zonen am Grund herrscht zeitweise völliger Sauerstoffmangel – dort kann kaum noch höheres Leben bestehen. Erst seltene Wetterlagen mit starkem, anhaltendem Westwind drücken einen kräftigen Salzwasserschwall in die Ostsee und belüften die Tiefen für einige Zeit.

Verschärft wird das Ganze durch Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Siedlungen. Sie düngen das Meer, lassen Algen massenhaft wachsen, und deren Abbau zehrt zusätzlich Sauerstoff. Diese Überdüngung gilt heute als die zentrale Umweltbelastung der Ostsee. Wie sich Temperatur, Wind und Wetter auf diese Prozesse auswirken, beleuchtet die Seite zu Klima und Wetter der Ostsee – denn milde Winter und warme Sommer verschärfen die Sauerstoffnot zusätzlich.

Welche Schutzgebiete bewahren die Natur der Ostsee?

Die Natur der Ostsee wird durch ein Netz aus Nationalparks, Naturschutz- und Biosphärenreservaten bewahrt, das besonders an der deutschen Küste dicht geknüpft ist. Ein bemerkenswertes Stück Umweltgeschichte spielte sich in den letzten Tagen der DDR ab: In wenigen Monaten gelang es einer kleinen Gruppe engagierter Naturschützer um Michael Succow, zahlreiche Landstriche unter verschärften Schutz zu stellen. Zunächst markierten sie auf der Landkarte grob die Gegenden, die sie bewahren wollten, und setzten dieses Vorhaben dann mit großem Einsatz durch. Auf der letzten Ministerratssitzung der DDR wurde der Beschluss gefasst, ein Dutzend Schutzgebiete einzurichten – ein Schritt, der im vereinigten Deutschland sonst Jahre gedauert hätte und später als „Tafelsilber der deutschen Einheit“ bezeichnet wurde.

Heute schützen diese Gebiete einzigartige Landschaften: weite Bodden und Lagunen, Steilküsten und Kreidefelsen, Dünen, Salzwiesen und alte Wälder, in denen auch Dam- und Rotwild sowie Wildschweine leben. Gerade die flachen Boddengewässer hinter den Inseln sind ökologisch unbezahlbar – sie dienen unzähligen Fischen als Laichplatz und ziehenden Vögeln als Rastraum, und genau deshalb stehen viele von ihnen unter besonderem Schutz. Besonders erlebbar wird diese Natur auf den großen Ostsee-Inseln wie Rügen oder Usedom, wo Nationalparks und Naturschutzgebiete unmittelbar an die Strände grenzen. So lässt sich die ökologische Vielfalt der Ostsee unterwegs hautnah erfahren.

Warum hat die Ostsee so wenig Salz?
Die Ostsee ist über nur schmale und flache Wasserstraßen mit der Nordsee verbunden, weshalb kaum salzreiches Meerwasser nachfließt. Gleichzeitig tragen viele große Flüsse ständig Süßwasser ein. Aus diesem Ungleichgewicht entsteht Brackwasser mit einem Salzgehalt, der von West nach Ost immer weiter abnimmt.
Wie tief ist die Ostsee?
Im Schnitt ist die Ostsee mit rund 50 Metern recht flach. Ihre tiefste Stelle ist das Landsorttief westlich von Stockholm mit etwa 459 Metern. Weitere tiefe Becken wie das Gotlandtief sind ökologisch heikel, weil sich dort sauerstoffarmes Wasser sammelt.
Welche Fische sind typisch für die Ostsee?
Charakteristisch sind Hering, Sprotte, Flunder, Scholle und Aal. Eine besondere Rolle spielt der Dorsch, dessen Bestände stark vom Sauerstoff- und Salzgehalt der tiefen Becken abhängen.
Leben Robben in der Ostsee?
Ja. Kegelrobben und Seehunde sind an mehreren Küsten und auf Sandbänken wieder regelmäßig anzutreffen. Hinzu kommt der Schweinswal, der einzige in der Ostsee heimische Wal, der vor allem die westlichen Gewässer durchstreift.

Wer die Natur der Ostsee selbst erleben möchte, findet von Strandwanderungen bis zu Nationalpark-Touren zahllose Möglichkeiten – einen Überblick über Reiseformen und Quartiere gibt die Seite zu Reise und Tourismus an der Ostsee.