Nach dem Niedergang der Hanse wurde die Ostsee in der Neuzeit zum Ringplatz der Großmächte: Schweden und Russland kämpften um die Vorherrschaft, Zar Peter der Große gründete Sankt Petersburg als „Fenster zum Westen“. Im 19. Jahrhundert entstanden die ersten Seebäder, im 20. Jahrhundert teilte der Eiserne Vorhang das Meer – heute prägt die EU den Ostseeraum.
| Eckdaten Ostsee in der Neuzeit | Überblick |
|---|---|
| Nach der Hanse | Aufstieg Schwedens und Russlands zu Ostsee-Großmächten |
| Gründung Sankt Petersburgs | 1703 durch Zar Peter den Großen im Newa-Delta |
| 19. Jahrhundert | Industrialisierung, erste Seebäder, Bäderarchitektur |
| 20. Jahrhundert | Weltkriege, Teilung im Kalten Krieg durch den Eisernen Vorhang |
| Größte Seeschlacht | Skagerrakschlacht 1916 (Erster Weltkrieg) |
| Heute | EU-Ostseeraum, Wirtschafts- und Tourismusregion |
Wie ging es nach der Hanse weiter?
Nach dem Niedergang der Hanse verlagerte sich die Macht über die Ostsee von den Kaufmannsstädten zu den aufstrebenden Territorialstaaten. Die Hanse hatte den Ostseehandel über Jahrhunderte beherrscht und reiche Städte wie Lübeck, Wismar oder Stralsund geprägt; mit dem Aufstieg neuer Handelswege und starker Königreiche verlor der Städtebund jedoch an Bedeutung. An seine Stelle traten ehrgeizige Großmächte, die das Meer nicht mehr nur als Handelsraum, sondern als strategisches Machtfeld begriffen.
Den Wendepunkt markierte der Dreißigjährige Krieg. In diesem Konflikt versuchte Schweden, über die Ostsee hinweg weitreichende Großmachtpläne zu verwirklichen, und griff von Norden tief in das mitteleuropäische Geschehen ein. In der Folge gehörten noch lange viele südlich der Ostsee gelegene Landstriche – darunter Vorpommern und die Stadt Wismar – zu Schweden. Die See, die einst dem bürgerlichen Fernhandel gehört hatte, wurde nun zur Bühne königlicher Politik. Wer die Geschichte des Städtebundes vertiefen möchte, findet sie ausführlich in der Geschichte des Ostseeraums dargestellt.
Welche Großmächte beherrschten die Ostsee?
In der Neuzeit rangen vor allem Schweden und Russland um die Vorherrschaft über die Ostsee, bis Russland sich dauerhaft durchsetzte. Schweden hatte sich im 17. Jahrhundert zur dominierenden Ostseemacht aufgeschwungen und kontrollierte weite Küstenstriche rund um das Meer. Doch im frühen 18. Jahrhundert forderte das aufstrebende Zarenreich diese Stellung heraus.
In den Nordischen Kriegen gelang es Russland, von Osten her Anschluss an die Ostsee zu erringen und damit einen lang ersehnten Zugang zum westlichen Seehandel zu sichern. Zar Peter der Große ließ im Mündungsdelta der Newa eine völlig neue Reichshauptstadt errichten: Sankt Petersburg, das berühmte „Fenster zum Westen“. Die 1703 gegründete Stadt verkörperte den russischen Anspruch auf die Ostsee wie kein zweiter Ort und wuchs rasch zur prachtvollen Metropole heran. Mit ihr verschob sich das politische Schwergewicht des Ostseeraums dauerhaft nach Osten.
Schwedens Großmachtstellung dagegen schwand im Laufe des 18. Jahrhunderts. Auch andere Anrainer – das Königreich Dänemark, die deutschen Territorien und das wachsende Preußen – rangen um Einfluss an den Küsten. So entstand ein dichtes Geflecht konkurrierender Mächte, dessen Spuren sich bis heute in den Anrainerstaaten der Ostsee ablesen lassen.
Wie entstand der Ostsee-Tourismus?
Der Ostsee-Tourismus entstand im 19. Jahrhundert mit der Mode des Seebads und der Industrialisierung, die erstmals breiteren Bevölkerungsschichten Reisen ermöglichte. Das Baden im Meer galt zunächst als Heilmaßnahme; Ärzte empfahlen die salzhaltige Seeluft und das kühle Wasser gegen zahlreiche Leiden. Aus diesen Kuranfängen wuchs rasch eine Bäderkultur, die ganze Küstenabschnitte verwandelte.
An den Stränden entstanden mondäne Seebäder mit ihrer charakteristischen Bäderarchitektur: weiße Logierhäuser mit verzierten Veranden, Balkonen und Türmchen, dazu Promenaden, Kurhäuser und Seebrücken. Die fortschreitende Industrialisierung und der Ausbau der Eisenbahn machten die Küste erreichbar und beförderten den Aufstieg der Bäder zu beliebten Sommerzielen. Inseln wie Rügen und Usedom wurden zu Schauplätzen dieser frühen Reisebegeisterung und tragen ihr bäderarchitektonisches Erbe bis heute.
Diese Wurzeln prägen den modernen Ostsee-Urlaub bis in die Gegenwart. Wer die Bandbreite heutiger Angebote von der Hotellerie bis zum Aktivurlaub kennenlernen möchte, findet sie im Bereich Reise und Tourismus an der Ostsee gebündelt.
Was prägte die Ostsee im 20. Jahrhundert?
Das 20. Jahrhundert machte die Ostsee zum Schauplatz der beiden Weltkriege und anschließend zur Trennlinie des Kalten Krieges. Die Ostseehäfen wurden zu Orten, an denen Geschichte geschrieben wurde. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs ereignete sich vor dem Skagerrak die größte Seeschlacht dieses Krieges. Die Sankt Petersburg vorgelagerte Festungsinsel Kronstadt erlebte einen Matrosenaufstand gegen die russische Revolutionsregierung, und in Kiel meuterte die Marine gegen das Auslaufen zu einer bereits verlorenen Schlacht – ein Funke, der weitreichende Umwälzungen auslöste.
Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Ostsee Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Flottenverbänden ausgefochten. Zu Kriegsende war ein großer Teil der schiffbaren Fläche vermint, sodass die Personenschifffahrt eingestellt werden musste. 1945 versuchte man dennoch, die in Kurland, Ostpreußen und Hinterpommern eingeschlossenen Truppen und die flüchtende Zivilbevölkerung über See zu evakuieren. Besonders tragisch war der Untergang der „Wilhelm Gustloff“, die mit fast ausschließlich Zivilisten an Bord nach mehreren Treffern sank – eine der schwersten Schiffskatastrophen der Geschichte.
In der Ära des Kalten Krieges teilte der Eiserne Vorhang den Ostseeraum. Die See trennte fortan zwei politische Blöcke; tausende Bürgerinnen und Bürger der DDR versuchten, über das Meer in den Westen zu fliehen, oft unter Lebensgefahr. Erst mit der Auflösung der Sowjetunion löste sich diese Teilung. Seither ist die Ostsee weniger Schauplatz von Konflikten als vielmehr ein zusammenwachsender Wirtschafts- und Erholungsraum, der heute maßgeblich von der Europäischen Union geprägt wird.
Warum gründete Peter der Große Sankt Petersburg an der Ostsee?
Was bedeutet Bäderarchitektur?
Wie teilte der Kalte Krieg die Ostsee?
Welche Rolle spielt die Ostsee heute?
Wer von der bewegten Geschichte zur Gegenwart wechseln und einen eigenen Ostsee-Urlaub planen möchte, findet alle Angebote von Unterkunft bis Aktivreise im Bereich Reise und Tourismus an der Ostsee.