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Geschichte

Hansezeit

Die Hanse war ein mittelalterlicher Städte- und Kaufmannsbund mit Lübeck als Vorort. Über rund vier Jahrhunderte prägte sie den Handel im Ostseeraum, verband Hunderte Städte von Flandern bis Nowgorod und hinterließ mit der Backsteingotik ein bis heute sichtbares Erbe. Ihre Blüte lag im Spätmittelalter, ihr Niedergang in der frühen Neuzeit.

EckdatenHanse an der Ostsee
Art des BundesLoser Städte- und Kaufmannsbund
BlütezeitSpätmittelalter (14./15. Jahrhundert)
VorortLübeck
Wichtige HansestädteLübeck, Rostock, Wismar, Stralsund, Danzig, Riga, Tallinn (Reval), Visby
Wichtige HandelsgüterSalz, Hering, Tuch, Getreide, Bernstein, Pelze, Wachs
Architektonisches ErbeBacksteingotik
NiedergangFrühe Neuzeit (16./17. Jahrhundert)

Was war die Hanse?

Die Hanse war ein Zusammenschluss von Kaufleuten und Städten, der im Mittelalter den Handel im nord- und mitteleuropäischen Raum organisierte und schützte. Das Wort „Hanse“ geht auf einen germanischen Begriff für „Schar“ oder „Gefolge“ zurück und bezeichnete ursprünglich eine Gruppe von Kaufleuten, die gemeinsam auf Handelsreise gingen. Aus diesen Reisegemeinschaften wuchs nach und nach ein weiträumiges Netzwerk, das im 13. Jahrhundert feste Gestalt annahm.

Anders als ein moderner Staat besaß die Hanse keine feste Verfassung, kein stehendes Heer und keine einheitliche Verwaltung. Sie blieb stets ein loser Bund, dessen Mitglieder ihre Selbstständigkeit behielten. Zusammengehalten wurde das Bündnis durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen: Die Kaufleute wollten ihre Handelswege sichern, einheitliche Privilegien im Ausland durchsetzen und sich gegen Seeräuber, Zölle und Willkür fremder Fürsten behaupten. Wichtige Entscheidungen fielen auf dem Hansetag, einer Versammlung der Mitgliedsstädte, die meist in Lübeck zusammentrat.

Lübeck galt als Vorort, also als das anerkannte Haupt der Gemeinschaft. Von hier aus liefen die wichtigsten Handelsrouten durch die Ostsee, und hier wurden die Leitlinien des Bundes bestimmt. Über ihre Kontore – feste Niederlassungen in fremden Städten – reichte der Einfluss der Hanse weit über die Ostsee hinaus bis nach London, Brügge, Bergen und in das russische Nowgorod. Wer die Wurzeln dieser Epoche vertiefen möchte, findet im Überblick zur Geschichte der Ostsee den größeren Zusammenhang, in dem der Aufstieg der Hanse steht.

Welche Städte gehörten zur Hanse?

Zur Hanse gehörten in ihrer Blütezeit weit über hundert Städte rund um Nord- und Ostsee, von den niederländischen Häfen bis in das Baltikum. Das unbestrittene Zentrum war Lübeck, die „Königin der Hanse“. Ihre Lage am Übergang zwischen Ostsee und dem Salzhandel des Binnenlandes machte sie zur reichsten und mächtigsten Stadt des Bundes; ihr historisches Stadtbild mit Holstentor, Marienkirche und Kaufmannshäusern zeugt bis heute von diesem Reichtum.

Entlang der südlichen Ostseeküste reihten sich weitere bedeutende Hansestädte aneinander. Rostock wurde zu einem wichtigen Umschlagplatz und Universitätsort, Wismar und Stralsund entwickelten sich zu wohlhabenden Handelszentren, deren Altstädte heute zum Weltkulturerbe zählen. Weiter östlich gehörten Danzig, Greifswald und Stettin zum hansischen Wirtschaftsraum.

Auch im Baltikum war die Hanse fest verankert: Riga und Tallinn, das damals Reval hieß, wurden zu blühenden Handelsstädten mit deutsch geprägten Kaufmannsvierteln. Eine Sonderrolle spielte die Insel Gotland mit der Stadt Visby: Schon vor der eigentlichen Hanse trafen sich hier die Ostseekaufleute, und Gotland blieb lange ein wichtiger Knotenpunkt des Fernhandels. Wie eng dieses Erbe noch heute mit den Küstenstädten verbunden ist, zeigt der Überblick über die Städte und Regionen der Ostsee, in denen Backsteingotik und alte Speicher das Stadtbild prägen.

Womit wurde in der Hanse gehandelt?

In der Hanse wurde vor allem mit Grundgütern des täglichen Lebens und mit gefragten Rohstoffen gehandelt, allen voran mit Salz und Hering. Diese beiden Waren gehörten zu den Säulen des hansischen Wohlstands: Salz aus dem Binnenland, das über Lübeck an die Küste gelangte, wurde gebraucht, um den im Herbst in riesigen Mengen gefangenen Hering haltbar zu machen. Der gesalzene Hering wiederum war eine wichtige Fastenspeise und wurde in ganz Europa verkauft. Dieser Kreislauf aus Salz und Fisch bildete das wirtschaftliche Rückgrat vieler Hansestädte.

Daneben transportierten die Kaufleute ein breites Sortiment von West nach Ost und zurück. Aus Flandern und England kam feines Tuch, also gewebter Stoff, der im Norden und Osten reißenden Absatz fand. In die andere Richtung flossen die Erzeugnisse des Ostseeraums: Getreide aus den weiten Ebenen Polens und des Baltikums, Holz für den Schiffsbau, Wachs und Pelze aus den russischen Wäldern sowie Bernstein von der südlichen Ostseeküste, der als Schmuckstein begehrt war.

Transportiert wurden diese Güter überwiegend auf der Kogge, einem bauchigen, robusten Segelschiff, das viel Ladung fasste und zum Sinnbild des Hansehandels wurde. Der wachsende Reichtum der Kaufleute schlug sich in den Städten nieder: In Backstein errichtete man stattliche Rathäuser, hoch aufragende Kirchen und vielgeschossige Speicher. Diese Bauweise, die Backsteingotik, ist das wohl sichtbarste Erbe der Hanse und prägt die Altstädte entlang der Küste bis heute. Wer den Spuren dieses Handels folgen möchte, findet auf der vertiefenden Seite zur Hansezeit weitere Hintergründe.

Warum endete die Hanse?

Die Hanse endete, weil sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse Europas zu ihren Ungunsten verschoben. Ihr Erfolg hatte auf einem Vorsprung beruht: Die hansischen Kaufleute beherrschten den Ostseehandel zu einer Zeit, in der es noch keine starken Nationalstaaten gab, die ihnen Konkurrenz machten. Genau diese Lücke schloss sich im Lauf der frühen Neuzeit. Aufstrebende Mächte wie das wachsende Schweden, Dänemark, die Niederlande und England bauten eigene Flotten und Handelsnetze auf und drängten die Hanse Schritt für Schritt zurück.

Hinzu kam, dass sich die großen Handelsströme verlagerten. Mit den Entdeckungsfahrten und dem aufkommenden Welthandel über den Atlantik verlor die Ostsee einen Teil ihrer früheren Bedeutung als wirtschaftliches Zentrum. Auch im Inneren schwächte sich der Bund: Die lose Struktur ohne feste Verfassung, die in guten Zeiten Stärke gewesen war, erwies sich nun als Nachteil, denn die Städte verfolgten zunehmend eigene Interessen und fanden seltener zu gemeinsamem Handeln.

Kriege und konfessionelle Spannungen taten ihr Übriges. Im 16. Jahrhundert verfiel die Macht der Hanse zusehends, und im 17. Jahrhundert löste sich der Bund faktisch auf; der letzte größere Hansetag fand Mitte des 17. Jahrhunderts statt. Den Namen einer Hansestadt führten danach vor allem noch Lübeck, Hamburg und Bremen weiter. Geblieben sind die mächtigen Backsteinkirchen, die Speicher und Kaufmannshäuser – ein Erbe, das die Reisenden in Städten wie Wismar noch heute unmittelbar erleben.

Was bedeutet das Wort „Hanse“?
„Hanse“ geht auf einen germanischen Begriff für „Schar“ oder „Gefolge“ zurück. Gemeint war ursprünglich eine Gruppe von Kaufleuten, die gemeinsam auf Handelsreise ging und sich zum gegenseitigen Schutz zusammenschloss. Aus diesen Reisegemeinschaften entwickelte sich der spätere große Städtebund.
Welche Stadt war das Zentrum der Hanse?
Lübeck war der Vorort und damit das anerkannte Haupt der Hanse. Hier trat meist der Hansetag zusammen, und von hier liefen die wichtigsten Ostsee-Handelswege aus. Wegen ihres Reichtums galt Lübeck als „Königin der Hanse“.
Was ist die Backsteingotik?
Die Backsteingotik ist eine Bauweise, bei der gotische Kirchen, Rathäuser und Speicher aus rotem Ziegelstein errichtet wurden, weil im Ostseeraum kaum Naturstein verfügbar war. Sie ist das sichtbarste Erbe der Hanse und prägt die Altstädte vieler Hansestädte bis heute.
Gibt es die Hanse heute noch?
Als wirtschaftlicher Machtbund ist die Hanse erloschen. Den Titel „Hansestadt“ führen jedoch bis heute mehrere Städte als Teil ihres Namens, und das gemeinsame Erbe wird unter anderem im Städtebund „Die Hanse“ gepflegt, der historisch verbundene Städte kulturell vernetzt.

Die alten Hansestädte gehören zu den lohnendsten Reisezielen an der Küste: Wer Holstentor, Speicherviertel und mächtige Backsteinkirchen mit eigenen Augen sehen möchte, findet im Reise- und Tourismusbereich Anregungen für die Planung – von der Städtereise nach Lübeck und Stralsund bis zur Inseltour nach Gotland.