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Geschichte

Entstehung

Die Ostsee entstand nach der letzten Eiszeit, als das mächtige skandinavische Eisschild abschmolz und sein Schmelzwasser das vom Eis ausgeschürfte Becken füllte. Aus diesem Gletscherschmelzwasser ging vor rund 14.000 Jahren ein erster Eisstausee hervor, der sich über mehrere Phasen mit wechselndem Süß- und Salzwassergehalt zur heutigen Ostsee entwickelte. Geologisch ist sie damit ein sehr junges Meer.

Eckdaten zur EntstehungKurzfassung
Entstehungnach der letzten Eiszeit aus Gletscherschmelzwasser
Beginnvor etwa 14.000 Jahren mit dem Abschmelzen des Eisschilds
Beckenvon Gletschern ausgeschürfte Senke in Nordeuropa
EntwicklungsphasenBaltischer Eissee → Yoldiameer → Ancylussee → Littorinameer → heutige Ostsee
Wasserchemiemehrfacher Wechsel zwischen Süß- und Salzwasser
Heutiger Zustandgrößtes Brackwassermeer der Erde
Geologisches Altererdgeschichtlich sehr jung

Wie ist die Ostsee entstanden?

Die Ostsee entstand nach der letzten Eiszeit aus dem Schmelzwasser zurückweichender Gletscher. Während der letzten Kaltzeit lag über Skandinavien und großen Teilen Nordeuropas ein mächtiges Inlandeis, das viele Hundert Meter dick war. Dieses Eisschild hat den Untergrund über Jahrtausende geformt: Die Gletscher schürften eine ausgedehnte Senke aus, hobelten Gesteinsschichten ab und hinterließen ein wannenartiges Becken, das später den Wasserkörper der Ostsee aufnehmen sollte.

Mit der Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit begann das Eis vor etwa 14.000 Jahren großflächig abzuschmelzen. Das Schmelzwasser sammelte sich am Rand des zurückweichenden Eisschilds und füllte die ausgeschürfte Senke. So entstand zunächst ein riesiger Eisstausee unmittelbar vor der Eisfront. Anders als die meisten Ozeane, die über viele Jahrmillionen durch Plattentektonik geformt wurden, verdankt die Ostsee ihre Existenz also einem vergleichsweise kurzen erdgeschichtlichen Vorgang: dem Wechselspiel aus Eisvorstoß, Abschmelzen und Landhebung.

Ein entscheidender Faktor war und ist die nacheiszeitliche Landhebung. Unter dem Gewicht des kilometerdicken Eises war die Erdkruste eingedrückt worden. Als diese Last verschwand, begann sich der Untergrund langsam wieder zu heben – ein Prozess, der in Teilen Skandinaviens bis heute anhält. Diese Hebung verschloss und öffnete im Lauf der Jahrtausende immer wieder die Verbindungen zum offenen Meer und steuerte so, ob in das Becken Salzwasser einströmen konnte oder nicht. Wer sich für die weitere Entwicklung dieses Raums interessiert, findet im Überblick zur Geschichte der Ostsee die Brücke von der Erdgeschichte bis in die Gegenwart.

Welche Phasen durchlief die Ostsee?

Die Ostsee durchlief auf ihrem Weg zur heutigen Gestalt mehrere klar unterscheidbare Phasen, in denen sich Süß- und Salzwasser immer wieder ablösten. In der Forschung werden vier Hauptstadien benannt: der Baltische Eissee, das Yoldiameer, der Ancylussee und das Littorinameer, aus dem schließlich die heutige Ostsee hervorging. Jede dieser Phasen lässt sich an charakteristischen Ablagerungen am Meeresgrund ablesen.

Baltischer Eissee: Am Anfang stand der Baltische Eissee, ein gewaltiger Süßwasser-Eisstausee, der sich aus den Schmelzwässern vor der zurückweichenden Eisfront bildete. An seinem Grund lagerten sich feine Jahresschichten ab, mit einer helleren Sommer- und einer dunkleren Winterlage. Als eine Eisbarriere in Mittelschweden im Bereich des Billingen brach, floss schlagartig eine enorme Wassermenge in den Nordatlantik ab und der Seespiegel sank deutlich.

Yoldiameer: Durch dieses Ereignis öffnete sich eine Verbindung zum Meer, und erstmals strömte Salzwasser in das Becken ein. Es entstand das Yoldiameer, eine brackige Vorform der Ostsee mit Verbindung zum Atlantik. Diese salzreichere Phase hielt jedoch nur einige Jahrhunderte an, weil die Landhebung die Schwellen erneut anhob.

Ancylussee: Die fortschreitende Hebung Skandinaviens verschloss die Verbindung zum offenen Meer wieder, und das Becken süßte aus: Der Ancylussee war ein großer Süßwassersee. Erst allmählich, als der weltweite Meeresspiegel weiter anstieg, drang erneut Salzwasser ein und der See wurde langsam wieder brackig.

Littorinameer: Der weiter steigende Meeresspiegel führte schließlich zur dauerhaften Verbrackung. Es entstand das Littorinameer, das der heutigen Ostsee bereits sehr nahekam – wahrscheinlich sogar etwas salziger. Schon damals war der Wasserkörper geschichtet, und am Boden tieferer Becken trat zeitweise Sauerstoffmangel auf, ganz ähnlich wie heute. Aus diesem Stadium ging die moderne Ostsee als größtes Brackwassermeer der Erde hervor. Wie sich Pflanzen und Tiere an dieses besondere Wasser angepasst haben, zeigt der Überblick zur Natur der Ostsee.

Warum ist die Ostsee ein junges Meer?

Die Ostsee gilt als sehr junges Meer, weil sie in ihrer heutigen Form erst seit wenigen tausend Jahren existiert – ein winziger Zeitraum, gemessen an der Erdgeschichte. Während sich die großen Ozeane über viele Jahrmillionen entwickelten, ist das gesamte Ostseebecken erst nach dem Ende der letzten Eiszeit mit Wasser gefüllt worden. Damit zählt die Ostsee zu den jüngsten größeren Meeresbecken überhaupt.

Diese Jugend prägt das Meer bis heute. Die Ostsee ist im Durchschnitt vergleichsweise flach, ihr Becken ist eine vom Eis geformte Senke und kein tiefer ozeanischer Graben. Weil die schmalen Verbindungen zur Nordsee nur einen begrenzten Wasseraustausch zulassen und zugleich viele große Flüsse Süßwasser zuführen, blieb der Salzgehalt niedrig – das Ergebnis ist das charakteristische Brackwasser. Auch die andauernde Landhebung in Skandinavien erinnert daran, dass die geologischen Prozesse hier noch nicht zur Ruhe gekommen sind: Küsten verschieben sich, Buchten verlanden, neue Inseln und Untiefen entstehen.

Die junge Entstehungsgeschichte erklärt zudem, warum die Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee artenärmer ist als die der offenen Ozeane. Es blieb schlicht wenig Zeit, sich an das wechselhafte, salzarme Milieu anzupassen, und viele Meeresarten kommen mit dem niedrigen Salzgehalt nicht zurecht. Das Klima dieses Raums, das den Wasseraustausch und die Eisbildung mitbestimmt, beschreibt die Seite zu Klima und Wetter an der Ostsee. Erst nachdem das Meer seine heutige Gestalt angenommen hatte, begann die menschliche Geschichte an seinen Ufern – nachzulesen im Beitrag zur Besiedelung der Ostseeregion.

Wann ist die Ostsee entstanden?
Die Ostsee begann nach dem Ende der letzten Eiszeit zu entstehen, als das skandinavische Eisschild vor etwa 14.000 Jahren abzuschmelzen begann. Ihre heutige, brackige Gestalt nahm sie erst vor einigen tausend Jahren an. Erdgeschichtlich ist das ein sehr kurzer Zeitraum.
Aus welchem Wasser entstand die Ostsee zuerst?
Zu Beginn füllte reines Schmelzwasser der abtauenden Gletscher das vom Eis ausgeschürfte Becken. Es bildete sich der Baltische Eissee, ein großer Süßwasser-Eisstausee. Erst später strömte über zeitweilige Verbindungen Salzwasser ein, sodass sich Süß- und Brackwasserphasen mehrfach abwechselten.
Welche Entwicklungsphasen durchlief die Ostsee?
In der Reihenfolge: Baltischer Eissee, Yoldiameer, Ancylussee und Littorinameer, aus dem die heutige Ostsee hervorging. Dabei wechselten sich Süßwasser- und Salzwasserphasen ab, gesteuert vom steigenden Meeresspiegel und der nacheiszeitlichen Landhebung Skandinaviens.
Warum ist der Salzgehalt der Ostsee so niedrig?
Die Verbindungen zur Nordsee sind eng und lassen nur begrenzt Salzwasser herein, während zahlreiche Flüsse viel Süßwasser zuführen. Schon in der Entstehungsgeschichte wechselten süße und brackige Phasen, sodass die Ostsee heute das größte Brackwassermeer der Erde ist.

Wer nach diesem Blick in die Erdgeschichte tiefer in die Vergangenheit der Region eintauchen möchte, findet im Überblick zur Geschichte der Ostsee die weiteren Kapitel – von der ersten Besiedelung der Ostseeküste bis in die Gegenwart, eingebettet in die heutige Naturlandschaft der Ostsee.