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Geschichte

Besiedelung

Die Besiedelung des Ostseeraums begann nach dem Rückzug der eiszeitlichen Gletscher, als das frei werdende Land allmählich bewohnbar wurde. In den folgenden Jahrtausenden ließen sich germanische, slawische, baltische und finno-ugrische Völker rund um das Meer nieder. Bernstein war eines der frühesten begehrten Handelsgüter der Region.

EckdatenÜberblick
Erste Besiedelungnach dem Rückzug der Eiszeitgletscher
Frühe LebensweiseJäger, Sammler und Fischer an Küsten und Flussmündungen
Spätere VölkergruppenGermanen, Slawen, Balten, finno-ugrische Völker
Frühes HandelsgutBernstein (Bernsteinstraße)
Römische Bezeichnung„Mare Suebicum“
Wende im MittelalterAufstieg von Handel und Hanse

Wann wurde der Ostseeraum besiedelt?

Die Besiedelung des Ostseeraums setzte ein, nachdem sich die mächtigen Gletscher der letzten Eiszeit zurückgezogen hatten. Solange das Eis die nördlichen Landmassen bedeckte, war ein dauerhaftes Leben an den späteren Küsten nicht möglich. Erst als sich das Klima erwärmte und die Eismassen abschmolzen, gab das Land allmählich Räume frei, in die Menschen einwandern konnten. Diese frühe Geschichte ist eng mit der Entstehung der Ostsee verknüpft, denn das Meer selbst nahm seine heutige Gestalt erst nach dem Ende der Eiszeit an.

Die ersten Menschen folgten dem zurückweichenden Eis nach Norden. Sie lebten als Jäger, Sammler und Fischer und richteten sich nach den Tierherden, den Wäldern und vor allem nach den fischreichen Gewässern. Die Küsten, Buchten und Flussmündungen des entstehenden Meeres boten ihnen Nahrung und Orientierung. Statt fester Städte gab es zunächst nur kleine, oft wandernde Gemeinschaften, die sich dort niederließen, wo die Natur sie versorgte. Genaue Jahreszahlen für diese ersten Wanderungen sind aus heutiger Sicht nur näherungsweise zu bestimmen; gesichert ist jedoch, dass der Mensch dem Ostseeraum erst nach dem Verschwinden des Eises folgte und sich über lange Zeiträume hinweg immer dichter ansiedelte. Wer die weitere Abfolge der Epochen nachvollziehen möchte, findet in der Übersicht zur Geschichte des Ostseeraums den größeren Zusammenhang.

Welche Völker siedelten an der Ostsee?

An der Ostsee siedelten im Lauf der Jahrhunderte mehrere große Völkergruppen, deren Spuren bis heute in Sprache und Kultur fortwirken. Nach der letzten Eiszeit ließen sich zunächst germanische Stämme im südlichen und westlichen Raum nieder, später folgten slawische Völker, die weite Gebiete an der südlichen Küste prägten. Im Osten und Nordosten lebten baltische Völker, von denen sich Litauer und Letten herleiten, sowie finno-ugrische Völker, zu deren Nachfahren die Esten und die Finnen zählen. Diese Vielfalt erklärt, warum der Ostseeraum bis heute ein Gebiet vieler Sprachen und Traditionen ist; einen genaueren Blick darauf bietet die Seite zu den Völkern und Sprachen der Ostsee.

Zur Zeit des Römischen Reichs wurde die Ostsee „Mare Suebicum“ genannt. Weite Gebiete nordöstlich des römischen Grenzwalls galten den damaligen Kulturvölkern als wenig erschlossenes Land, das sie pauschal „Germania“ nannten. Über diese knappe Erwähnung hinaus gibt es kaum Hinweise auf einen nennenswerten Handels- oder Kulturaustausch zwischen den Mittelmeerkulturen und dem Ostseeraum in jener frühen Zeit. Die Region lag fernab der antiken Machtzentren und entwickelte sich weitgehend eigenständig.

Zu größeren Bewegungen und einer dichteren Siedlungstätigkeit kam es vor allem im frühen Mittelalter, als die Normannen mit ihren Streifzügen und Eroberungen weite Teile des Nordens in Bewegung brachten. In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich verschiedene Mächte ab: Wikinger, Franken, Dänen, Schweden und schließlich auch russische Reiche prägten den Raum. Aus den anfangs bescheidenen Tauschbeziehungen entstanden Handelswege, die jedoch erst zur Zeit der Hanse ihre volle wirtschaftliche Bedeutung entfalteten. Wie sich daraus ein dichtes Netz von Handelsstädten entwickelte, schildert die Darstellung der prägenden Epochen in der Hansezeit an der Ostsee. Aus dieser Schichtung von Völkern und Mächten erwuchs schließlich die vielgestaltige Kultur des Ostseeraums, die bis heute spürbar ist.

Wie prägte die Lage die Besiedelung?

Die Lage der Ostsee prägte ihre Besiedelung von Anfang an, denn das Meer war zugleich Lebensgrundlage und Verbindungsweg. Als großes, vergleichsweise ruhiges Binnenmeer mit vielen Buchten, Inseln und Flussmündungen bot die Ostsee den frühen Bewohnern Fisch, geschützte Siedlungsplätze und natürliche Wasserstraßen. Wer am Wasser lebte, konnte nicht nur Nahrung gewinnen, sondern auch mit anderen Gemeinschaften in Kontakt treten. So wurde die Küste zur bevorzugten Zone der Ansiedlung, während das Binnenland zunächst dünner besiedelt blieb.

Eine besondere Rolle spielte der Bernstein. Dieses fossile Harz, das an den südöstlichen Küsten in größeren Mengen angeschwemmt wurde, galt schon früh als kostbar und gehörte zu den ersten begehrten Handelsgütern des Ostseeraums. Über die sogenannte Bernsteinstraße gelangte das Material auf langen Wegen bis weit in den Süden Europas. Dieser Austausch zeigt, dass die Ostseeküsten trotz ihrer Randlage nicht völlig abgeschnitten waren, sondern über wertvolle Rohstoffe an überregionale Netze angebunden wurden. Der Handel mit Bernstein und später mit Fisch, Salz, Holz und Pelzen machte das Meer zu einer Brücke statt zu einer Grenze.

Die zahlreichen Inseln und die langen Küstenlinien begünstigten zudem die Seefahrt. Wer Boote bauen und das Meer befahren konnte, erreichte Handelspartner, neue Siedlungsräume und ferne Märkte schneller über das Wasser als über Land. Diese maritime Ausrichtung legte den Grundstein dafür, dass sich später bedeutende Hansestädte wie Lübeck an strategisch günstigen Punkten der Küste entwickeln konnten. Auch die großen Inseln der Ostsee wurden zu festen Bestandteilen des Siedlungs- und Handelsraums. Die geographische Lage entschied somit nicht nur, wo Menschen wohnten, sondern auch, wie eng sie miteinander und mit fernen Regionen verbunden waren.

Wann begann die Besiedelung des Ostseeraums?
Die Besiedelung begann nach dem Rückzug der eiszeitlichen Gletscher. Erst als das Eis abschmolz und das Klima sich erwärmte, konnten Menschen als Jäger, Sammler und Fischer in den frei werdenden Raum einwandern. Genaue Jahreszahlen lassen sich nur näherungsweise bestimmen, der Ablauf ist jedoch gesichert.
Welche Völker lebten an der Ostsee?
Im Lauf der Zeit siedelten germanische, slawische, baltische und finno-ugrische Völker rund um die Ostsee. Aus den baltischen Völkern leiten sich unter anderem Litauer und Letten her, zu den finno-ugrischen Völkern zählen Esten und Finnen. Diese Vielfalt prägt die Region bis heute.
Warum war Bernstein so wichtig?
Bernstein wurde an den südöstlichen Küsten angeschwemmt und galt schon früh als kostbar. Als eines der ersten begehrten Handelsgüter band er den Ostseeraum über die Bernsteinstraße an überregionale Handelsnetze bis nach Südeuropa an.
Wie nannten die Römer die Ostsee?
Zur Zeit des Römischen Reichs trug die Ostsee den Namen „Mare Suebicum“. Die nördlich des römischen Grenzwalls gelegenen Gebiete galten den antiken Kulturen als wenig erschlossen, ein enger Handels- oder Kulturaustausch ist aus dieser Zeit kaum belegt.

Wer die weitere Entwicklung von den ersten Siedlern bis zu den Mächten der Neuzeit verfolgen möchte, findet die Fortsetzung in der Darstellung der Ostsee in der Neuzeit sowie im Überblick zur gesamten Geschichte des Ostseeraums.