Mit der Auflösung der Sowjetunion, Erlangung der Unabhängigkeit der
Baltischen Staaten sowie der Öffnung des östlichen Ostseeraums entstand ein
riesiges wirtschaftliches Potential.
Allerdings nahm Westeuropa damals, zu Beginn der 1990er Jahre, kaum zur
Kenntnis, dass neben dem Mittelmeer ein zweites großes Binnenmeer an die EU
angrenzt. Das Wirtschaftspotential wurde erst allmählich in seinem vollen Umfang
erkannt.
Heute zählen Estland, Lettland und Litauen zu den EU-Ländern mit den höchsten Wachstumsraten. Dennoch kann man nicht
übersehen, dass die Länder im Ostseeraum wirtschaftlich unterschiedlich entwickelt
sind. Im Osten überwiegt die Landwirtschaft mit zunehmender Bedeutung des Tourismus, im Westen herrscht der Dienstleistungssektor schon länger vor.
Der Wirtschaftsraum Regionen hatte als einheitlicher Handels- und Kulturraum
und Bindeglied zwischen Ost und West über Jahrhunderte große Bedeutung, nicht nur
zur mittelalterlichen Hansezeit. Als die Hanse nach der Entdeckung Amerikas ihre Macht verlor, behielt die Ostsee als Schifffahrtsweg ihre überragende Bedeutung. Bis zum 1. Weltkrieg und zur
Oktoberrevolution blühten die Wirtschafts- und Kulturbeziehungen zwischen Skandinavien und dem Deutschen und Russischen Reich. Diese Bedeutsamkeit ging erst mit dem Nationalsozialismus und dann erst recht
mit dem „Eisernen Vorhang“ zu Bruch. Der Wirtschaftsraum Ostsee verkümmerte zu einer
europäischen Randregion ohne Bedeutung.
Erst mit der Öffnung des Ostens Anfang der 1990er Jahre zeigten sich wieder
Chancen für eine enge Zusammenarbeit der Ostseeanrainer. Heute weist der Ostseeraum eine zunehmende Bedeutung für Produktion und Handel
auf. Einen besonderen Stellenwert belegt dabei der Tourismus, der bei Kreuzfahrten sogar im weltweiten Spitzenbereich liegt.
In etwa einem Jahrzehnt ist die Ostsee in jeder Hinsicht ein europäisches
Binnenmeer geworden. Fast alle Anrainer sind Mitglieder der EU. Die Initiativen und Aktivitäten durch staatliche und
private Organe auf unterschiedlichen Gebieten ist enorm, insbesondere für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und gemeinsamen Umweltschutz. Der Drang nach
wirtschaftlichem Aufschwung und Wohlstand lässt auf dauerhafte politische Stabilität
hoffen.