Durch seine Eroberungen und anschließender Christianisierung des östlichen
Ostseeraums ab dem 13. Jahrhundert übte der Deutsche Orden einen großen Einfluss
auf diese Gebiete aus. Vermutlich haben die Aktivitäten der „Deutschherren“ im
Ostseeraum den größten gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Wandel
vor der Hansezeit bewirkt.
Im 14. und 15. Jahrhundert dominierte die Hanse den Handel in Nordeuropa und im
Ostseeraum. Sie hatte dadurch einen großen kulturellen Einfluss auf die Entwicklung
vieler Regionen, in denen sie Handel betrieb. So wurde deutsche Architektur, Malerei
und Bildhauerei verbreitet. Aber auch die Verbreitung von handwerklichen Wissen und
der Schriftsprache im Ostseeraum sind mit der Hanse eng verbunden.
Seit der Öffnung der früheren Ostblockländer und Wiedererlangung der
Unabhängigkeit der baltischen Staaten hat sich neben dem Tourismus auch der internationale Kulturaustausch verstärkt. In Zusammenhang mit Kunst
und Kultur am „Mare Baltikum“ befassen sich zahlreiche staatliche und private
Organe. Viele davon stellen aktiv Veranstaltungsprogramme oder Seminare in den oder
über die verschiedenen Anrainerstaaten der Ostsee zusammen. Auch im Internet findet man zahlreiche
Veranstaltungskalender und Foren zum Thema Ostsee. Zu den kulturell und historisch
interessanten Themen rund um die Ostsee zählen unter anderem Orte des Handels und
der Geschichte der wichtigen Hafenstädte an der Ostsee, beispielsweise Danzig oder Sankt Petersburg.
Ferner werden zahlreiche Studienreisen von Deutschland in die übrigen Anrainerstaaten der Ostsee, und umgekehrt, veranstaltet. Dabei
sind Themen wie „Von der Zarenstadt zum Ausgangspunkt der Oktoberrevolution“ oder
„Wie aus Leningrad wieder Sankt Petersburg“ wurde, zwei herausragende Beispiele.
Weitere Themen betreffen Güter in Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere auf der Insel Rügen, auf der es verfallene Güter gibt.
Als unbekanntes europäisches Kulturerbe gelten die historischen Güter in Estland. Die Güter des baltischen Adels waren einst Zentren der Verwaltung und des
gesellschaftlichen Lebens. Nach dem Nordischen Krieg wurden sie mit repräsentativen
Herrenhäusern ausgestattet, in deren Bau- und Gartenkunst sich Einflüsse aus Ost und
West vereinten. Heute dienen diese oft als Hotel oder Pension.
Besonders bei jungen Leuten sind die vielerorts veranstalteten
Deutsch-Baltisch-Lettischen Kulturtage von Interesse. Bei den Fremdenverkehrsländern
der Ostseeanrainer oder im Internet kann man sich über die entsprechenden Programme erkundigen.
Mehrere Veranstalter von Studien- oder Kulturreisen bieten interessante Kurzreisen, um die Spuren
der Hanse und der Backsteingotik im Ostseeraum zu erkunden. Der Städtebund der Hanse
war ein wirtschaftlicher und kulturelles Entwicklungsfaktor von europäischer Dimension und durchaus übernationalem Charakter. Solche Reisen, bei denen man meist einen Tag in einer der Hansestädte für Besichtigungen und
Vorträge verbringt, lassen sich auch gut mit Badeferien verbinden. Auf einem Urlaub in einem der Seebäder von Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt es sich, Ausflüge in die Gegend zwischen Greifswald und Stettin zu unternehmen, um den vergangenen Glanz Pommerns in Form seiner
Residenzen, Schlösser und Kirchen aufzuspüren. Eine schöne und lehrreiche
Abwechslung zum Strandleben. Interessant ist sicherlich zu erfahren, wie das Erbe
der Pommernherzöge bis heute nachwirkt und welchen Beitrag es zur heutigen
Architektur und Kultur geleistet hat.
Viele Volkshochschulen oder private Sprachschulen bieten inzwischen neben den „üblichen“ skandinavischen Sprachen, allen voran
Dänisch, auch Sprach- oder Literaturkurse der Baltenländer.
Von speziellem Interesse für Literaturfreunde ist das im Juli 2006
stattfindende Thomas-Mann-Festival in Litauen. Die Konzerte, Diskussionen, Lesungen,
Filme und eine Kunstinstallation des Festivals setzen sich mit den alten, neuen und
neuentdeckten Kulturlandschaften des Ostseeraum auseinander.
Wer abseits der Touristenströme im Herbst oder Winter an die Ostsee reist, findet die Ostseebäder zwar verlassen vor, kann aber an den vereinsamten
Stränden herrlich wandern und dabei von seiner Unterkunft aus Rundfahrten in Städte wie Danzig an der Südküste oder beispielsweise Riga an der Ostküste
unternehmen. Je nach Interesse – Geschichte oder Literatur – kann man sich selbst
ein interessantes Programm zusammenstellen und zum Beispiel in dem Ferienhaus Tschechien seinen Urlaub genießen.
Traditionen und Trachten werden im ganzen Baltikum gepflegt. Nicht nur die
häufigen Kulturveranstaltungen sind erlebenswert, sondern auch die ausgelassenen
Feste, wie etwa die mit Sonnwendfeuern und viel Fröhlichkeit gefeierte
Johannisnacht.
„Baltica“ ist ein internationales Folklorefest, das jedes Jahr in der
Hauptstadt eines anderen baltischen Landes stattfindet. Eine der beliebtesten
Veranstaltungen ist im Juni das Altstadtfest in Tallinn. Da gibt es Konzerte, Theater, Ausstellungen und einen großen Kunst-Markt auf
dem Rathausplatz. In Riga, der Hauptstadt Lettlands, findet alle fünf Jahre ein großes Sängerfest statt, an dem mehrere tausend
lettische und internationale Chöre teilnehmen.
Darüber hinaus finden insbesondere in den Sommermonaten in allen Städten an
der Ostsee traditionelle Festivals statt.